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Der große Stress-Report Teil 1: Was du über Stress noch nicht weißt

Geschrieben von Dominik Borde | 01 Jun

Stress - Jeder kennt ihn, jeder hat ihn, und wir alle sollten ihn dringend vermeiden - was sogleich wieder zu welchem führt! In Teil 1 dieses Reports erfährst du: lebenswichtige Fakten rund um Stress, die man kennen sollte und etwas Unglaubliches, das du sicher noch nicht über Stress gewusst hast - und dein Leben für immer verändern kann!

Stress, Stress und nochmals Stress! Die anspannende Mischung aus dringenden Erledigungen, unterschwellig agierende Erwartungen und für selbstverständlich gehaltenen Pflichten, garniert mit einer Portion Eigenwerbung, um sozial mit dabei zu sein: ein immer enger werdendes Hamsterrad aus anstrengendem Beruf, fordernder Familie und Freizeitoptimierung in einer Gesellschaft, die immer mehr Leistung in immer kürzerer Zeit verlangt!

Dazu die permanente Erreichbarkeit, die zu digitalem Stress führt und private Ruheinseln selten und immer mehr zum Luxusgut werden lässt. Solange bis es “Peng“ macht und die Sicherung durchbrennt! Voila, das Burn-out lässt grüßen!

In dem Artikel: Der große Stress-Report Teil 2 kannst du testen ob du stressgefährdet bist und bekommst 18 schnelle Wege um Stress loszuwerden.

Was versteht man unter Stress?

Unter Stress versteht man sowohl die physische und psychische Reaktion auf innere und äußere Reize als auch die dabei entstehende Belastung, die auf ein Individuum wirkt. Neben dieser allgemeinen Formulierung existiert aber – je nach Denkrichtung – eine Vielzahl weiterer Definitionen. Sprachwissenschaftlich lässt sich Stress ableiten vom lateinischen Wort stringere, was zum Beispiel: anspannen, in Spannung versetzen, zusammenziehen und Ähnliches bedeuten kann.

Als Urvater der modernen Stressforschung wird übrigens der österreichisch-kanadischer Mediziner und Forscher Hans Selye (1907 bis 1982) gesehen, der den Stressbegriff der Physik entnommen und auf lebende Systeme übertragen hat. Dort wurde dieser im Zusammenhang mit Belastungen verwendet, die auf physikalische Körper wirken.

Abiotischer und biotischer Stress

Abiotische Stressfaktoren können beispielsweise physikalischer Natur sein: Hitze, Kälte, Lärm, Abgase. Aber auch Alkoholmissbrauch, das Rauchen und ungesunde Ernährung zählen zu abiotisch auf den Organismus einwirkenden Faktoren.

Biotische Faktoren betreffen die Gesundheit und meinen etwa Belastungen durch Krankheitserreger oder Entzündungen, aber auch psychische Herausforderungen wie zum Beispiel Mobbing oder ein schwieriges Verhältnis zu den Schwiegereltern. Die Persönlichkeitsstruktur mit den dazugehörenden Werten, Einstellungen, (überzogene) Erwartungshaltungen und Befürchtungen zählt ebenso dazu.

Positiver Stress - Eustress

Positiver Stress, auch Eustress genannt, beansprucht zwar den Organismus in dem er die Aufmerksamkeit erhöht, für Spannkraft sorgt und die Leistungsfähigkeit des Körpers steigert, doch ohne diesem dabei zu schaden.

Wenn man beispielsweise zu bestimmten Leistungen motiviert ist und sich darauf vorbereiten kann, aber auch wenn Krisensituationen optimistisch begegnet wird, was meint, dass man diese als bewältigbare Herausforderung annimmt, wird Stress nicht krank machen. Selbst länger einwirkender Eustress wirkt sich nicht negativ auf die psychische oder physische Funktionsfähigkeit aus!

Negativer Stress – Distress

Stress wird erst dann als unangenehm, bedrohlich oder überfordernd gewertet, wenn er zum Dauerzustand wird und physisch und/oder psychisch nicht kompensiert werden kann.

Bei chronisch negativem Stress, auch Distress genannt, wird der Körper permanent beansprucht, er befindet sich sozusagen in Daueralarmbereitschaft und läuft innerlich auf Hochtouren. In solchen Situationen schüttet der Körper die Botenstoffe Adrenalin und Cortisol aus. Das hilft, die Kraftreserven des Körpers zu mobilisieren und macht leistungsfähiger.

Die andauernde stark erhöhte Anspannung des Körpers führt aber in weiterer Folge zur Abnahme von Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit. Chronischer Stress kann Körper und Seele belasten - vor allem, wenn er uns nicht sinnvoll erscheint, wir uns machtlos fühlen und das Gefühl haben, alles alleine bewältigen zu müssen.

Die Fälle von Krankenstand aufgrund von Burn-outs nehmen immer noch stark zu. Die ersten Symptome eines Burn-outs und wichtigsten Anzeichen, an denen du erkennst, ob du gefährdet sein könntest, findest du auch im Artikel: Burn the burnout

Stress: ein Notprogramm des Körpers

Stress ist die Reaktion (und Anpassung) des Körpers auf die Beanspruchung durch Stressoren. Er bereitet den Körper auf leistungsintensive Situationen vor. Auf biochemischer Ebene reagiert der Körper bei Stress insbesondere mit der Ausschüttung von Neurotransmittern und Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, aber auch der vermehrten Bildung von Schweiß. Eigentlich als Notprogramm der Evolution vorgesehen, um in lebensgefährlichen Situationen entweder mit Kampf oder Flucht rasch reagieren zu können, wird Stress heute für den Körper zunehmend gefährlich, weil eine stressige Situation die nächste jagt und dem Körper keine Verschnaufpause gegönnt wird.

Das Yin/Yang unseres autonomen Nervensystems

1. Der „Stressnerv“, der Sympathikus: steht für Aktivität. Er ermöglicht beispielsweise, dass unser Herz und unsere Muskeln arbeiten und sorgt dafür, dass wir flüchten, wenn Adrenalin einschießt.

2. Der „Ruhenerv“, der Parasympathikus: steht für Entspannung. Er ist quasi aktiv, wenn wir ruhen und unterstützt zum Beispiel die Schleimproduktion, damit eine optimale Drüsentätigkeit in den Verdauungsorganen gewährleistet ist.

Alles Leben braucht beide Pole: Anspannung - Entspannung. Einatmen - ausatmen, munter sein – müde sein, aktiv sein – passiv sein. Aufnehmen – ausscheiden. Abenteuer – Sicherheit usw.

Auswirkungen von Stress auf den Körper

Dauerstress bedeutet nun nichts anderes als „Dauersympathikus“. Das Adrenalin zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Weniger Schleim im Magen-Darm-Bereich wird produziert, was zu Gastritis und Verdauungsproblemen führen kann. Die vermehrte Produktion von Magensäure führt außerdem zu Sodbrennen. Zudem verengt das Hormon Noradrenalin die Blutgefäße der Verdauungsorgane, wodurch es zu schlechterer Durchblutung und ungehinderter Vermehrung von Erregern kommt.

Auch der Magen reagiert empfindlich auf Stress. Die geschädigten Gefäßwände durch den erhöhten Blutdruck begünstigen Entzündungen. Blutklümpchen und Fett lagern sich ein und können zu Arteriosklerose und Infarkten führen.

Stress schwächt die Widerstandskraft

Doch das ist längst nicht alles. Der durch Dauerstress erhöhte Cortisolspiegel bremst die Reifung von Helfer- und Killerzellen, was zur Schwächung des Immunsystems führt und damit krankheitsanfälliger macht. Infektionskrankheiten wie Schnupfen oder Husten können die Folge sein. Auch Herpes kann eine Reaktion auf ein überlastetes Immunsystem sein.

Auch Muskelschmerzen und –verspannungen entstehen infolge eines ständig erhöhten Adrenalin- und Cortisolspiegels. Ein verspannter Nacken beispielsweise hemmt den Blutfluss zum Gehirn. Spannungskopfschmerz und Migräne können die Folgen sein, genauso wie Konzentrationsstörung oder ein schlechteres Gedächtnis, weil die Funktion des Hippocampus beeinflusst wird. Des Weiteren hemmt Cortisol die Testosteronausschüttung, was zu sexueller Unlust führt, bei Frauen kommt es zu Zyklusstörungen.

Wer öfter entspannt, kann mehr leisten

Für den Erhalt unserer Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist es daher von größter Wichtigkeit, dass der Parasympathikus arbeiten kann! Das heißt: Gerade für optimale Leistung und High Performance sind Entspannungsphasen essenziell! Jeder Spitzensportler weiß, dass ein Muskel nicht während des Trainings wächst, sondern in der Entspannungs- und Regenerationsphase.

Stress und die Macht der Gedanken

Was, wenn nicht der Stress unser Feind ist, sondern die Annahme, dass er uns nicht gut tut? Wenn also die Art, wie wir ihn betrachten und über Stress denken, uns schadet? Viele, noch viel zu wenig beachtete Studien weisen genau darauf hin! 28753 Amerikaner wurden im Rahmen einer nationalen Gesundheitsumfrage im Jahr 1998 dazu befragt, ob sie Stress gehabt haben, und ob sie glauben, dass sich dieser Stress negativ auf sie ausgewirkt hat. Im Rahmen einer Studie wurden diese Daten 8 Jahre hindurch mit dem öffentlichen Sterberegister verlinkt.

Angst vor Stress ist tödlich

Jene Amerikaner, die angaben, dass sich Stress gesundheitsschädlich auswirkt, hatten ein 43 % höheres Sterberisiko! Das galt allerdings nur für jene, die auch glaubten, dass sich Stress negativ auf sie auswirkt!!! Menschen, die viel Stress hatten, diesen jedoch nicht schlecht bewerteten, hatten sogar ein niedrigeres Sterberisiko als jene mit vergleichsweise weniger Stress! Umgerechnet auf eine jährliche Gesamttodeszahl von 182 000 Amerikanern würde dies bedeuten, dass etwa 20 000 Todesfälle pro Jahr auf den Glauben, dass Stress schädlich ist, zurückzuführen sind. Mehr Tote also als durch Hautkrebs, Aids oder Mord!

Die Gesundheitspsychologin Kelly McGonigal bestätigt in einem vielbeachteten TED-Talk, dass die Art, wie wir über Stress denken, ausschlaggebend dafür ist, ob er gesund für uns ist oder nicht. Naheliegend, dass sich Stressreaktionen des Körpers auf Stress verändern, wenn man seine persönliche Ansicht darüber ändert! Tatsächlich belegen auch dies mittlerweile zahlreiche Studien.

In einer Studie der Harvard Universität unter Jeremy P. Jamieson, Matthew K. Nock und Wendy Berry Mendes aus dem Jahr 2011 studie zum download wurden Probanden einem Stresstest unterzogen, nachdem man ihnen gesagt hat, dass ihre Stressreaktionen durchaus hilfreich sind. Dass ein klopfendes Herz aufzeigt, dass der Körper voller Energie steckt und auf etwas vorbereitet. Dass der schnellere Atem das Gehirn mit Sauerstoff versorgt. Und tatsächlich! Die Teilnehmer waren weniger nervös und ängstlich und viel zuversichtlicher.

How to make stress your friend.

Wer eine Stressreaktion als hilfreich empfindet, schafft eine Biologie des Mutes

Was diese Studie zusätzlich aufzeigte, war eine veränderte körperliche Reaktion auf Herz und Blutgefäße! Entgegen der typischen Reaktion haben sich die Blutgefäße nämlich nicht zusammengezogen, sondern blieben entspannt! Das Herz schlug nach wie vor, aber in viel gesünderem Ausmaß. Es kam also insgesamt zu einer positiven Stressantwort!

Es ist also tatsächlich entscheidend, wie man über Stress denkt, mit welcher Einstellung wir dem Stress begegnen bzw. welches Stress-Mindset uns zur Verfügung steht. Wenn das keine unglaublichen Erkenntnisse sind!

In dem Artikel: Der große Stress-Report Teil 2 finden Menschen die wenig Zeit haben und sich ein entspannteres Leben wünschen, 18 schnelle Wege um Stress loszuwerden.

Fazit:

Stress ist allgegenwärtig und vor allem vielschichtig. Und genauso viele Wege der Vorbeugung und Maßnahmen zum Gegensteuern gibt es. Eine Wahrheit ist, dass wir den Umgang mit Stress bewusst steuern können, weil wirkmächtige Gedanken Handlungen und Verhalten stark beeinflussen. Veränderungsprozesse hängen stark von eingebrannten Mustern und Glaubenssätzen ab, können aber mit Hilfe eines geschulten Beraters durchbrochen werden.