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Libidomangel: 5 Wege, wie Frauen ihre sexuelle Lust steigern können

Geschrieben von Masha Hell-Höflinger | 17 Sep

Hormonelle Verhütungsmittel, Stress, Selbstzweifel, Scham – es kann viele Gründe für ein mangelndes Interesse an Sex geben. Warum besonders Frauen unter Libidomangel leiden und wie sie ihre weibliche Lust steigern können. 

Der Satz „Ich habe keine Lust“ gleicht einem festen Tritt in den Genitalbereich. Er kratzt am Ego und, fällt er häufiger – egal, ob direkt oder indirekt –, auch an der Beziehung. Glaubt man aktuellen Umfragen, gehen diese Worte rund einem Drittel aller Frauen zwischen 18 und 59 Jahren regelmäßig über die Lippen oder zumindest durch den Kopf. Libidomangel ist keine Seltenheit. Das erlebe ich auch in meiner Coachingpraxis. Fast täglich erreichen mich Nachrichten von Frauen, die ihren Partner zwar lieben, nicht aber den Sex mit ihm. Das hinterlässt ein Gefühl der Frustration und Hilflosigkeit – auf beiden Seiten. 

„Ich habe keine Lust mehr auf Sexualität. Was stimmt mit mir nicht? Was mache ich bloß falsch? Und was kann ich tun?“, kommen häufig die verzweifelten Nachfragen der Frauen. Die wichtigste Botschaft, die ich meinen Klientinnen und allen Leserinnen an dieser Stelle mitgeben möchte, lautet: Gar nichts! Du machst nichts falsch und du bist genau richtig so wie du bist. Lust lässt sich (wieder-)entdecken. Jedes Feuer, das einmal erlischt, kann wieder lichterloh brennen – so auch die weibliche Lust. In diesem Artikel möchte ich meine Tipps mit dir teilen, wie sich sexuelle Erfüllung frisch entfachen lässt. 

Libidomangel bei Frauen: Was sind die Ursachen?

Der erste wichtige Schritt ist die Ursachenforschung: Was können die Gründe für Libidomangel sein? Warum leidet besonders die weibliche Hälfte unserer Gesellschaft darunter? Aus meiner Erfahrung sind es primär keine körperlichen Ursachen, warum Frauen wenig bis keine Lust auf Sex haben. Natürlich gibt es gelegentlich Fälle, wo Verhütungsmittel oder bestimmte Medikamente zum Lustkiller werden. Doch das ist nicht der Regelfall. Die Unlust entsteht zu 90 Prozent im Kopf. 

Oft sind es Ängste oder Schamgefühle, die Frauen hemmen, ihrer Begierde zu folgen. Zu sehr stecken  sie in traditionellen oder familiären Mustern fest, die ihnen von klein auf eingeimpft haben: „Sei brav und artig! Kümmere dich vor allen Dingen um andere! Gib dich bloß nicht Männern hin, das ist billig und gefährlich!“

Auch die Unkenntnis über den eigenen Körper kann das Lustempfinden stören. Viele Frauen wissen gar nicht, wie ihr Geschlechtsorgan aussieht, geschweige denn sich stimulieren lässt. Im Rahmen einer britischen Umfrage wurde Teilnehmerinnen eine anatomische Grafik vorgelegt. Nur die Hälfte wusste, wo genau die Vagina liegt. Männern hingegen fällt das Thema deutlich leichter: Die Frage, wo sich ihr Glied befindet, stellt sich gar nicht erst. Viel zu offensichtlich ist das „Wahrzeichen” der männlichen Sexualität. Die weibliche Lust ruht dagegen im Verborgenen und will erst erkundet werden. Doch nach wie vor haben viele Frauen Hemmungen, auf Entdeckungsreise mit sich selbst zu gehen.

Neben dem mangelnden Körperbewusstsein können weitere Faktoren das weibliche Verlangen im Keim ersticken, wie Stress, Schlafmangel und – einer der wohl häufigsten Gründe – Selbstzweifel. 

Libidomangel bei Frauen: 5 Tipps, um die weibliche Lust zu steigern

Die gute Nachricht: Ist die Ursache beziehungsweise sind die Ursachen erst mal offengelegt, lassen sich ganz gezielt Strategien entwickeln, um die Lust zu steigern. Hier sind meine besten Tipps, die sich über die Jahre als die größten Game Changer für eine erfüllte weibliche Sexualität erwiesen haben:

Tipp 1: Einen gesunden Egoismus entwickeln

In einem Talk über die Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Sexualität erläutert die international anerkannte Psychotherapeutin Esther Perel: Während es Männer am meisten antörne, wenn ihre Partnerin erregt ist, sei es für Frauen genau anders herum. Eine Frau könnte sich im Bett erst dann richtig fallen lassen, wenn sie an sich selbst denkt – und zwar wohlwollend und mit einer gesunden Portion Egoismus. Wenn sie sich erlaubt, mal nicht die Versorgerin zu sein und sich stattdessen zu nehmen, was sie in diesem Moment will. Die meisten Frauen allerdings gehen hart mit sich ins Gericht, das zeigt auch meine Coaching-Erfahrung. Sie lassen sich von ihrer kritischen inneren Stimme immer wieder sagen, was nicht gut genug an ihnen ist – ein echter Lustkiller.

„Bevor du eine Frau fragst, ob sie Sex mit einem Mann oder einer anderen Frau haben will, frage sie, ob sie mit sich selbst schlafen würde“, rät Perel in ihrem Talk.

Wenn deine spontane Antwort auf diese Frage Nein“ lautet, darfst du dem Thema Selbstliebe oberste Priorität einräumen. Buche gerne ein kostenloses Erstgespräch, in dem wir uns dein Selbstbild einmal ganz genau anschauen und konkrete Schritte entwickeln, die deine Selbstannahme stärken.

Tipp 2: Stress abbauen

Einer der größten Libidoblocker in unserer Gesellschaft ist Stress. Ständig sind wir überall zur selben Zeit, wollen die Dinge besser als perfekt erledigen und gönnen uns als Mutter, Partnerin, Tochter oder Business Leaderin keine ruhige Minute. In solchen Situationen geht der Körper in den sogenannten „Fight or Flight“-Modus über: Es geht nur noch um Kampf oder Flucht, um das Überleben zu sichern. Die freigesetzten Stresshormone haben deshalb Vorrang und unterdrücken die Sexualhormone. Erotik hat folglich in Stressphasen keinen Platz mehr.

Was hilft, um die Libido zu retten, ist Entspannung. Wer relaxt und angstfrei ist, kann sich voller Vertrauen fallen lassen, auch im Bett. Stehst du hingegen ständig unter Strom, büßt du Sinnlichkeit ein.

Mein Tipp: Baue Oasen der Ruhe in deinen Alltag ein – egal, ob allein oder mit deinem Partner. Ein heißes Bad, eine Massage, ein Nachmittag auf der Couch mit einem Erotikroman oder ein Spaziergang durch die Natur. Alles, was hilft, die Sinne schweifen zu lassen, tut auch deiner Libido gut.  

Tipp 3: Mit dem eigenen Körper beschäftigen

Sex wird in den Medien noch immer vornehmlich als eine spontane Erregung oder als Trieb dargestellt: Als sei die sexuelle Lust eine körperliche Reaktion, die per Knopfdruck ausgelöst wird und dann nicht mehr zu stoppen ist. Besonders Frauen empfinden Lust hingegen erst im Kopf, bevor der Körper folgen kann. Einer Frau mit Libidomangel fällt dieser zweite Schritt oft schwer. Zum Beispiel, weil sie sich auf ihre vermeintlichen Problemzonen konzentriert und nicht sexy fühlt. Oder weil sie den Zugang zu ihrer Weiblichkeit verloren hat. 

Lust lässt sich oftmals wecken, indem Frauen sich wieder mehr und vor allem bewusst mit dem eigenen Körper beschäftigen. Masturbation ist hier ein vielversprechender Weg. Aber auch Yoga, Meditation und Massagen können den Dialog zwischen Kopf und Körper in eine liebevolle, sinnliche Richtung lenken.

Wichtig ist, dass du in deinem Tempo vorgehst und geduldig mit dir bist. Will der Kopf die Kontrolle wieder einmal partout nicht abgeben und fällt es dir erneut schwer, deine weiblichen Rundungen anzunehmen, akzeptiere das für den Moment. Lächle dir innerlich zu und starte einen neuen Versuch. 

Tipp 4: Sex zur Priorität in der Partnerschaft machen

Erfüllter Sex passiert nicht einfach so. Man „macht“ keine Liebe. Ich verstehe Sexualität in der Beziehung als einen Ort, den man gemeinsam aufsucht und an dem man sich auf Augenhöhe begegnet – immer wieder neu. Viele Paare kommen zu mir ins Coaching, weil sie sich die Impulsivität und Leidenschaft von früher zurückwünschen. Sie sehen in der Spontaneität den Schlüssel zu einer erfüllten Sexualität – und Frauen hoffen darauf, dass damit auch ihre Lust wächst.  Das sehe ich anders:

Hinter gutem, lustvollem Sex steckt immer eine Absicht. Er ist bewusst und präsent. Das schließt impulsives Handeln nicht aus. Doch auch für einen spontanen Wochenendtrip muss man ein Ziel auswählen, seine Koffer packen und das Auto auftanken.

Wartet deshalb nicht auf eine Eingebung, sondern macht Sex zur Priorität in eurer Partnerschaft. Erst dann nämlich bekommt auch die weibliche Lust einen Ort zum Ankommen. 

Tipp 5: Bedürfnisse offen ansprechen und bewusst wahrnehmen

Zu Beginn einer Beziehung muss man sich nur anschauen und das Feuer der Leidenschaft brennt. Mit dem wachsenden Vertrauen, gemeinsamen Verpflichtungen und alltäglichen Herausforderungen lässt das automatische Verlangen der Anfangszeit nach. Plötzlich ist das Begehren nicht mehr einfach so da. Plötzlich liest der Partner einem die sexuellen Wünsche nicht mehr einfach so von den Augen ab. 

Um langfristig ein erfülltes Sexleben und die gegenseitige Lust aufeinander zu genießen, bedarf es deshalb einer klaren, verletzlichen Sprache. Sie ist der Schlüssel zu echter Intimität und Leidenschaft. Gebt euch gegenseitig den Raum, offen über eure Bedürfnisse zu sprechen.

Häufig braucht es dafür etwas Übung und Mut, sich frei von Grenzen wie Scham oder gesellschaftlichen Tabus auszutauschen. Doch der Schritt lohnt sich.

Mein Tipp: Nehmt euch jede Woche eine halbe Stunde Zeit, setzt euch Rücken an Rücken und sprecht nacheinander zehn Minuten über alles, was euch bewegt. Dreht euch anschließend um und schaut euch für ein paar weitere Minuten in die Augen. Auf diese Weise geht ihr tief in den Kontakt miteinander und könnt diese intensive Verbindung mit ins Schlafzimmer nehmen.

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