Der Blog | Sozialdynamik

Männlichkeit - „Ich will einen richtigen Mann!“

Geschrieben von Dominik Borde | 13 Jun

Viele meiner Klientinnen wünschen sich mehr Präsenz, ein stärkeres Auftreten, mit anderen Worten, mehr Männlichkeit von ihrem Partner. Gerade starke Frauen sehnen sich danach, sich auch mal fallen lassen zu können, bei einem Kerl anlehnen zu können, wenn sie mal nicht stark ist. Am Beispiel von Paul und Sabrina (Namen geändert) kannst du erkennen, warum männlich-weibliche Rollenverschiebungen für ernsthafte Beziehungsprobleme bei Paaren sorgen können.

Sabrina ist 39 Jahre alt und arbeitet als Krankenschwester. Sie liebt ihren Beruf und trägt in diesem eine große Verantwortung. Im Krankenhaus wird sie geschätzt für ihren Fleiß und ihre vertrauenswürdige Art. Ihre Kolleginnen sagen über Sabrina, dass sie immer für einen da ist und auch immer weiß, was zu tun ist. Sabrina hat schon früh gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen und Verantwortung zu übernehmen. Ihr Vater hat die Mutter, samt ihrem jüngeren Bruder, sitzen gelassen.

Privat ist Sabrina seit mehreren Jahren mit Paul zusammen, aus erster Ehe hat sie eine 9-jährige Tochter. Ihre Beziehung zu Paul hat im Laufe der Zeit sehr gelitten, besonders die letzten zwei Jahre waren von Streit und Frust geprägt.

Mehr Männlichkeit: Ich will einen richtigen Mann!

Sabrinas erster Brief an mich:

Lieber Herr Borde! Wann kann ich bei Ihnen einen Termin bekommen? Es ist sehr dringend, denn mein Partner und ich sprechen bereits über Trennung. Kann ich daher sobald wie möglich zu einem Paarcoaching kommen? Ich möchte dieser Beziehung noch eine letzte Chance geben. Danke!

Sabrina

Sabrina am Telefon:

„Dominik, ich arbeite sehr viel. Als Krankenschwester muss ich verschiedene Schichtdienste übernehmen und so kann es passieren, dass ich oft nächtelang arbeiten muss, auch, wenn ich für Kolleginnen einspringen muss. Obwohl mir die Arbeit nach so vielen Jahren immer noch viel Spaß macht, bin ich nahe eines Burn-outs! Mein Chef kennt oft keine Grenzen und verlangt sehr viel von mir. Dafür aber lieben mich die Patienten und Kollegen - und das gibt mir Kraft.

Mein eigentliches Problem beginnt dann erst zu Hause. Ich komm heim und weiter geht´s mit meiner „Zweitarbeit“. Ich habe das Gefühl, alles in unserem Leben und in unserer Beziehung alleine tragen zu müssen: Egal ob den Haushalt, Planungen, Entscheidungen oder die Erziehung meiner Tochter, alles muss ich machen. Sogar den Termin bei dir! Paul arbeitet zwar, das aber war´s dann auch schon. Er „sponsert“ die Familie, als Mann an meiner Seite spüre ich ihn allerdings nicht. Ich hab den Eindruck, wenn ich nichts mache, passiert auch nichts! Ich will einen richtigen Mann, einen, der auch mal für mich stark ist, der sagt, was er will und es auch umsetzt!“

„Früher war er ganz anders“

Sabrina erwähnte im Laufe des Telefonats ein sehr wesentliches Detail. Früher war Paul nicht so „schwach“, sie konnte sich voll auf ihn verlassen. Erst im Kurs der Zeit wurde er immer passiver, während sie mehr und mehr die Rolle der Macherin übernehmen musste. Durch das Paarcoaching will sie erreichen, dass Paul wieder mehr der Mann wird, den sie sich wünscht. So vereinbarten wir einen Termin für die beiden.

Das Paar-Coaching

Hier der Anfang unseres Gesprächs:

Die beiden saßen auf der Couch. Auf meine Frage, ob die beiden Wasser wollen, antwortete Sabrina mit "Ja", Paul aber verneinte! Sabrina sah Paul an, schüttelte den Kopf, und meinte angespannt: „Jetzt nimm doch ein Glas Wasser, später bist du sicher durstig! Dann muss Dominik wieder aufstehen.“ Paul: „Okay, dann nehme ich auch ein Glas Wasser bitte.“

Die lang ersehnte Lösung

Im Falle der beiden war relativ rasch klar, was ihr Problem war. Grob zusammengefasst ging es um Verantwortung, Vertrauen, seine Rolle als Mann und ihre als Frau in der Beziehung. An der Liebe zueinander zweifelten die beiden praktisch nie, doch überrollt von alten Mustern, Alltagsproblemen und Lasten verstrickten sich die beiden in ein sehr hartnäckiges Muster. Paul und Sabrina haben ihre Muster erkannt und sind, wie es Sabrina formulierte: „Am besten Weg der Genesung“.