Bist du mit einem Narzissten zusammen oder bist du sogar selbst einer?

Dominik Borde Donnerstag, 1. Oktober 2020 Videos, Beiträge, FRAUEN, MÄNNER, Ex zurück, Eifersucht, Beziehungsprobleme lösen, Trennung, Beziehung retten 0 Kommentare

Hast du jemanden in deinem Leben, der sich für das Zentrum des Universums hält? Jemand der sich nur für sich selbst interessiert und sich und seine Themen ständig in den Vordergrund stellt? So dass, egal wie sehr du dich bemühst, dieser Mensch dich nie fragt, wie es dir geht? Dann bist du vielleicht mit einem Narzissten zusammen.

Das Thema Narzissmus ist in den Medien seit einiger Zeit omnipräsent. Nicht erst, seit ein gewisser US Präsident Twitter für sich entdeckt hat.

Deshalb möchte ich als erstes ausdrücklich sagen, dass das Thema für Betroffene alles andere als witzig ist. Viele Opfer von Narzissten fühlen sich, als hätte man ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen. Gleichzeitig ist von einem Narzissten los zu kommen, nicht nur schwierig, es kann sich auch anfühlen wie ein harter Entzug. Sie vermissen den Narzissten wie ein Junkie die Droge: Er weiß, sie ist schlecht für ihn, aber er kommt kaum los. Das kann zu allen möglichen Problemen führen. Von Depression, über Angst bis zu Suizidgedanken.

 Narzissmus gilt medizinisch gesehen als spezifische Persönlichkeitsstörung. Umgangssprachlich spricht man heute schnell von einem Narzissten, wenn jemand besonders egoistisch und selbstbezogen ist. Aber ist das schon Narzissmus?

Wir alle kennen Menschen, die extrem von sich selbst überzeugt sind, Bewunderung lieben und sich selber am nächsten sind.

Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mich in meiner Recherche zum Thema selber immer wieder gefunden: Ja, ich stehe gern im Mittelpunkt. Ich habe sogar meinen eigenen Youtube Kanal! Ja, ich tendiere dazu, die Aufmerksamkeit manchmal in Gesprächen auf mich zu lenken und ich habe auch schon das eine oder andere Mal jemanden zu meinem Vorteil manipuliert oder in einer Beziehung gelogen. Kurz gesagt: Es gibt Momente, in denen ich mich wie ein eiskalter Arsch verhalte und das kann dann schon rüberkommen, als wären mir andere Menschen egal.

Ein Beispiel vom letzten Sommer:

 Ich war mit meiner Partnerin und ihren Kindern in den schönen österreichischen Alpen klettern. Es ging also auf in den Klettersteig. Wir sind alle angeseilt, der Bergführer führt uns über eine Hängebrücke und ich denk mir noch „Das ist ja leicht! Keine große Sache“. Dann wird die Strecke immer anspruchsvoller, steiler und wir kommen immer höher hinauf.

Plötzlich befinde ich mich in einem Zustand, den man in der Fachsprache „Außenposition“ nennt: Mein Leben hängt am sprichwörtlich seidenen Faden. Ich kann den Gipfel nicht sehen und unter mir geht es hunderte Meter in die Tiefe, ich blicke in den gefühlt sicheren Tod und werde unruhig. Offensichtlich ohne nachzudenken, rufe ich, der erfahrene Herr Coach, den Kindern, die steil über mir versuchen ihre eigene Angst zu überwinden während der Bergführer sie mit ruhiger Stimme anleitet, zu „Geh bitte, könnt ihr nicht weitermachen, ich will hier nicht ewig rumstehen...!“.

Wie doof und riskant kann ich denn bitte als Vater und Mensch agieren? In dem kurzen Moment hatten mich meine eigenen Emotionen fest im Griff.

 Was hat das jetzt mit Narzissmus zu tun?

Ganz einfach: Ich hab in dem Moment total egoistisch agiert, weil ich getriggert wurde.  Wie alle Menschen, habe ich diese Seite in mir und sie kommt in solchen Momenten zum Vorschein. Ein wichtiger Unterschied ist, dass ein gesunder Mensch später darüber reflektieren kann. Ein Narzisst wird sich nicht eingestehen können, dass er rein egoistisch gehandelt hat.

Immer, wenn du egoistisch handelst, wenn du jemanden manipulierst, keine Rücksicht auf die Bedürfnisse anderer nimmst oder Kritik mit Ablehnung oder einem Angriff verwechselst, dann agierst du narzisstisch.

Wenn du die Verantwortung für dein Leben und deine Gefühle auf dein Umfeld abschiebst, wenn du gemeine oder verletzende Dinge sagst um deine Ziele zu erreichen, wenn du andere klein machst oder neidisch bist, handelst du wie ein Narzisst.

 Also: Jeder Mensch handelt manchmal narzisstisch, aber nicht jeder ist ein waschechter Narzisst.

 Man spricht von einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, wenn Eitelkeit, Selbst und Geltungssucht außerhalb gesunder Normen ausgelebt wird. Ein echter Narzisst wird nicht geboren, sondern gemacht. Häufig werden Kinder von ihren Eltern zu Narzissten gemacht, wenn sie von einer Sache zu viel und einer anderen zu wenig bekommen haben. Zum Beispiel ein Kind, das immer die neuesten Spielzeuge bekommen hat, aber vielleicht zu wenig Zuneigung von der Mutter bekommen hat. Das Kind entwickelt dann als Überlebensstrategie narzisstische Züge. Sie haben ein völlig überzogenes Ego, sie reagieren auf Kritik entweder total über oder sie nehmen sie überhaupt nicht ernst. Sie sind von starken Selbstzweifeln und einer inneren Leere geplagt. 

Es gibt Schätzungen, dass heute bis zu 15% an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung leiden und 80% davon sind Männer. Gerade Männer neigen dazu, von ihren Gefühlen abgeschnitten zu sein. Ich habe hier die 5 wichtigsten Anzeichen aufgeschrieben, an denen du sie erkennen kannst.


5 Anzeichen, an denen du einen Narzissten erkennen kannst:

 

Ein Narzisst will immer im Mittelpunkt stehen. Es kümmert ihn nicht, wie es dir geht, sondern vor allem wie er selber ankommt. Narzissten neigen zu Neid und Missgunst und keiner außer ihnen soll im Rampenlicht stehen.

 

Empathielosigkeit. Einem echten Narzissten fehlt die Fähigkeit zur Empathie und bisher gibt es auch keine Therapie dagegen, da die Grundzüge unserer Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen, in den ersten Jahren der Kindheit angelegt werden oder eben nicht.

 

Der Narzisst hat kein echtes Interesse an dir und deinem Leben. Ein Narzisst dominiert alle Gespräche, es geht immer um ihn oder er führt das Gesprächsthema schnellstmöglich wieder auf ihn selbst zurück.

 

Entitlement. Narzissten gehen davon aus, ein Anrecht auf alles und jeden zu haben. Sie sehen sich als besser als andere an und es geht ständig nur darum, was ihnen zusteht, wer ihnen was zu bieten hat. Ich, ich, ich.

 

Lügen, Manipulieren, Beschuldigen. Das fällt einem Narzissten leicht und ist für ihn normal. Ein Narzisst lügt pathologisch aus Selbstschutz, denn niemand soll erfahren wie er im Innersten wirklich ist. Oft nicht ein mal er selbst.

 

Was kannst du tun, falls du in so eine toxische Beziehung geraten bist?

 In jeder Beziehung machst du den Unterschied. Ja, auch in einer Beziehung zu einem Narzissten!

Gerade unter Opfern von Narzissten ist es sehr üblich sich auf den Täter zu konzentrieren und zu analysieren wer noch alles ein Narzisst sein könnte. Ich finde es aber wesentlich sinnvoller in die Handlungsfähigkeit zu kommen und sich auf den Faktor zu konzentrieren, den du wirklich beeinflussen kannst: Dich selbst.

Das wichtigste ist, zu lernen, wie du dich abgrenzen kannst und wie du dich nicht mehr zum Opfer eines Narzissten machst. Ja, „wie du dich nicht mehr zum Opfer MACHST“. Ich habe hier bewusst die aktive Form verwendet. Denn ein Narzisst wird ohne seinen partnerschaftlichen Gegenpol kaum Schaden anrichten können.

Die bevorzugten Opfer von Narzissten sind Leute, die Schwierigkeiten haben ihre eigenen Grenzen zu wahren. Menschen mit mangelndem Selbstwert, die bereit sind viel auszuhalten und sich am Ende Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit erhoffen.

Menschen die zur Retterdynamik neigen: Ein Narzisst ist aber kein Hündchen, das mit ein bisschen Geduld und Liebe aufhören wird, bissig zu sein. Nein. Das wird der Narzisst sicher nicht. Auch nicht mit der Zeit und auch nicht für dich.

Du persönlich bist ihm letztlich egal!

Und falls du gerade in einer Beziehung lebst, wo du dich ständig kritisiert, nicht gut genug, ausgenutzt und klein gemacht fühlst, dich immer mehr selbst hinterfragst und unsicher bist, ob du gehen oder bleiben sollst - bitte geh! Und wenn du es nicht schaffst, dann bitte such dir dafür professionelle Hilfe.

Wenn du jetzt bereit bist Verantwortung für dein Leben und deine Beziehungen zu übernehmen, habe ich ein paar Fragen für dich.  Sorry, die wirst du erst einmal gar nicht gut finden.

Die wichtigste Frage, ich bitte dich, sie so ehrlich wie möglich zu beantworten:

  • Warum bin ich ein perfektes Match für einen Narzissten?

Denn eine Sache ist klar: Jeder Partner braucht sein ideales Gegenstück und auch wenn niemand absichtlich zum Opfer eines Narzissten wird und sich dann in erster Linie Verständnis, Zuwendung und soziale Unterstützung wünscht, halte ich die populäre Sicht, dem narzisstischen Täter hilflos ausgeliefert zu sein, für falsch, entmächtigend und einseitig. Das ist für Opfer eher hinderlich als wertvoll.

Hier ein paar Hinweise darauf, dass du eine perfekte Ergänzung zu dem Narzissten in deinem Leben sein könntest:

  • Bist du ein guter Unterstützer und neigst dazu, dich in Beziehungen mit weniger zufrieden zu geben, als du wert bist?
  • Denkst du, du müsstest dich für andere aufopfern, um geliebt zu werden?
  • Siehst du dich häufig als Opfer anderer? Sagst du Dinge wie „Ich habe alles gegeben“ und suchst die Schuld beim Partner, statt dich darauf zu konzentrieren, warum du ihn überhaupt gewählt hast?
  • Ziehst du emotional schwache Partner an, die verzweifelt nach Aufmerksamkeit und Bedeutung streben?
  • Übersiehst du häufig den Ausgleich von Geben und Nehmen in deinen Beziehungen und gibst zu viel?
  • Fällt es dir generell schwer, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen und für das einzustehen, was dir am Herzen liegt?

Wer bist du, dass du den perfekten Gegenpol zu einem selbstverliebten, Ich-bezogenen Egoisten bist? Bedürftig? Schwach? Unsicher? Opfer deiner Umstände?

Ja, vielleicht war oder ist das ein Teil von dir, aber du bist so viel mehr als das!

Ich lade dich ein, dein Leben nie wieder als Opfer zu führen. Kein Sklave zu bleiben, sondern dich zu stärken, dich selbst zu lieben, deine Grenzen zu wahren. Damit Ausnützer, Manipulierer und Angeber von Anfang an keine Chance mehr bei dir haben.

Nicht jeder Arsch ist Narzisst und jeder Mensch hat narzisstische Züge, aber wenn wir nicht achtsam und in unserer emotionalen Mitte sind, verhalten wir uns ähnlich egoistisch wie ein echter Narzisst.

Vergiss nicht: Jede toxische Beziehung braucht ihre Mitspieler und der Ausstieg gelingt,  so unbequem es auch sein mag, sobald wir uns den eigenen Anteil daran bewusst vor Augen führen und die zu Grunde liegenden Ängste und Verletzungen in uns heilen.

In jeder toxischen Beziehung gibt es auch einen massiven Anteil an Eigenverantwortung der dir potenziell zur Verfügung steht. Das zu erkennen und in die Aktivität zu kommen ist deine Chance, dein Leben zu verändern!

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